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January 17, 2008

Abu Dhabi sucht Anschluss an Dubais Tourismuserfolge

Quelle: bfai, Januar 2008

Zahlreiche neue Hotels geplant / Lieferchancen für Qualitätsausrüster

Nach den Tourismuserfolgen Dubais wollen auch die anderen Emirate in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ein Stück vom internationalen Tourismuskuchen – allen voran die Landeshauptstadt Abu Dhabi. Mit massiven Hotel- und Infrastrukturinvestitionen sollen die Voraussetzungen geschaffen werden. Zielgruppe sind besserverdienende Touristen und Geschäftsleute von der arabischen Halbinsel, aus Asien und Europa. Angesichts deren gehobener Ansprüche dürften sich deutschen Hotelausrüstern interessante Lieferchancen bieten.

Im Jahr 2007 konnte Abu Dhabi eine der weltweit höchsten Zuwächse bei den Touristenankünften verbuchen: um 16% auf 1,37 Mio. Die Zahl wäre noch höher ausgefallen, wenn es genug Hotelbetten gegeben hätte, sagt Mubarak Hamad Al Muhairi, Chef der Abu Dhabi Tourism Authority (ADTA). Für 2008 rechnet seine Behörde mit 1,58 Mio. Besuchern und für 2015 mit der doppelten Zahl.

Dem stehen bislang lediglich 10.000 Hotelbetten gegenüber. Mit einer spürbaren Kapazitätserweiterung ist jedoch begonnen worden. Schon 2008 stünden 13.500 Betten zur Verfügung, glaubt ADTA, für 2010 liege die Planzahl bei 16.800 und für 2015 bei 24.400. Die Menge der 2006 verkauften Hotelnächte beziffert Al Muhairi auf 2,8 Mio., was angesichts der gut halb so großen Besucherzahl nicht gerade viel ist, den Hotelsektor aber dennoch an seine Kapazitätsgrenzen geführt hat. Abu Dhabi brauche deshalb kurzfristig mindestens 30 neue Hotels, sagt der ADTA-Chef. Privaten Anlegern hilft die Behörde mit einer eigenen Gesellschaft, der Tourism Development and Investment Company, die sich an Projekten mit Risikokapital beteiligt.

Der Beitrag des Tourismussektors zum BIP von Abu Dhabi lag 2006 bei 2,9% beziehungsweise 8,68 Mrd. Dirham (100 Dh = 18,48 Euro) – für die Volkswirtschaft ein eher marginaler Betrag. Große Bedeutung hat die Entwicklung allerdings im Hinblick auf die eines Tages zu Ende gehenden Ölvorräte, einem Sektor, dem Abu Dhabi 2006 noch rund 93% seines BIPs verdankte. Gemessen an dieser Zahl ist der Tourismus immerhin ein wichtiger Anfang zur Entwicklung einer Nicht-Öl-Volkswirtschaft.

Die Einnahmen der Hotels beziffert die ADTA für 2006 auf 1,8 Mrd. Dh., im Vergleich zu 0,7 Mrd. 1997. Wie am Golf üblich konzentriert sich zwei Drittel des Geschäft auf Fünf-Sterne-Hotels, während Vier-Sterne-Herbergen 2006 mit 16% der Einnahmen folgten.

Nach Einschätzung von Al Muhairi wächst der Tourismus im Mittleren Osten im Durchschnitt mit 3,9% pro Jahr nur etwas langsamer als der weltweite mit 4,1%. Herausragende Ausnahmen seinen dabei jedoch Dubai und Abu Dhabi mit ihren zweistelligen Zuwächsen. In Bezug auf die derzeitigen und geplanten Sektor-Investitionen sieht Al Muhairi die VAE weit vorne, gefolgt von Katar.

Die mit Abstand größten Besuchergruppen in Abu Dhabi waren 2006 Briten mit 8,8% und Deutsche mit 8,0%, gefolgt von US-Amerikanern (1,9%), Russen (1,2%), Italienern, Japanern, Österreichern, Belgiern und Niederländern.

Die VAE mögen ein eigenes Staatsgebilde sein, in ihrer Politik verfolgen die verschiedenen Emirate oft Eigeninteressen. Starken öffentlichen Strukturen auf Emirats-Ebene stehen schwache des Gesamtstaats gegenüber. Von einer gemeinsamen Tourismuspolitik kann deshalb keine Rede sein, schon eher von gegenseitiger Konkurrenz. Geschäftsleute und Unternehmen, die mit den Emiraten zu tun haben, sollten dies berücksichtigen und auf entsprechende Empfindlichkeiten Rücksicht nehmen. So sind zwischen den einzelnen Emiraten gezogene Vergleiche unbeliebt. Gerne gesehen wird dagegen, wenn ein Besucher im Emirat seiner Gesprächspartner absteigt, statt – wie das Gros der Geschäftsreisenden – von Dubai per Stippvisite seine Besuche zu machen.

Tourismus-Vorhaben der einzelnen Emirate
Abu Dhabi: Geplant sind Investitionen in Höhe von 136 Mrd. $, um die Zahl der Touristenankünfte bis 2015 auf 3 Mio. zu steigern. Beobachter glauben, dass schon bis 2010 rund 40 neue Hotels gebaut werden. Der Gesamtwert der in Abu Dhabi derzeit beschlossenen, geplanten und angedachten Projekte beläuft sich nach Schätzungen auf etwa 1 Billion $.

Dubai: Das schon seit längeren boomende Emirat hat weit höher gesteckte Ziele als die Hauptstadt: Schon in wenigen Jahren sollen ein Fünftel des BIP mit dem Fremdenverkehr erwirtschaftet werden und 15 Mio. Besucher kommen. Noch 2008 kann der Burj Dubai, der höchste Wolkenkratzer der Welt, betreten werden, ein Jahr später die künstliche Insel Palm und 2010 das World-Projekt – 300 neu geschaffene Inseln, die zusammen aus der Luft das Bild einer Erdkarte abgeben. Bis 2010 werden für den erwarteten Besucheransturm 80.000 neue Hotelbetten eingerichtet.

Fujairah: Der kleine Bruder mit einer Küstenlinie am Indischen Ozean investiert derzeit 3 Mrd. $ binnen fünf Jahren, um mehr Besucher anzulocken. Vorzeigeprojekte sind das Radisson Al Aqah Beach Resort und der Fujairah Paradise Tourismus- und Wohnkomplex.

Ras Al Kaimah: Geplant sind Industrie- und Freizeitinvestitionen in einer Größenordnung von 50 Mrd. $, um die Zahl von Geschäfts- und Fremdenverkehrsreisenden bis 2010 auf 100.000 zu vervierfachen. Schlüsselvorhaben ist der 3 Mrd. $ teure Al Marjan-Inselkomplex mit Hotel, Marina und Luxusvillen.

Sharjah: Für 18 Mrd. $ wird an einem Al-Nuojoon-Island-Projekt gebaut, das Hotels, ein Einkaufzentrum, Wohnungen und einen Golfplatz beherbergen wird.

Umm Al Quwain: Eine 3,3 Mrd. $ teure Umm-Al-Quwain-Marina soll einmal 80.000 Wohnungen, mehrere Boutique-Hotels und Freizeitanlagen rund um eine Yachthafen-Landschaft bieten.

Ajman: Das Emirat will im Rahmen eines 10-jährigen Investmentprogrammes die touristische Infrastruktur stärken und eine Bahnverbindung nach Dubai schaffen. Zu den antizipierten Großprojekten gehört auch eine 2 Mrd. $ teure Marina.

Anerkanntes Tourismusziel
Mit den angestrebten Projekten können sich die VAE auch in Zukunft einer großen Medienaufmerksamkeit sicher sein – einer wichtigen Voraussetzung für ein expandierendes Tourismusgeschäft. In dem kürzlich zum dritten Mal vorgelegten “Country Brand Index” der in New York firmierenden Beratungsgesellschaft Future Brands rangieren die VAE auf dem ersten Platz in der Kategorie “Resort and Lodging Options”.

In keinem anderen Land der Welt gebe es eine so attraktive Auswahl unterschiedlicher Spitzenherbergen wie in den VAE, von Familienhotel bis zum (selbsternannten) 7-Sterne-Hotel, heißt es. Auf den folgenden Plätzen landeten die Malediven, Australien, Tahiti, Kanada, die USA und die Bahamas. In der Kategorie “Fine Dining” erreichten die VAE immerhin den siebten Platz, hinter Frankreich, Italien, Singapur, Japan, den USA und Großbritannien. Auch in der Bewertung der Konferenzmöglichkeiten erhielten die VAE mit Platz fünf ein hervorragendes Votum – nach den USA, der Schweiz, Deutschland und Singapur.

Teure Qualitäten gefragt
Für deutsche Unternehmen ergeben sich grundsätzlich Beteiligungs- und Lieferchancen bei den Bauvorhaben sowie bei der Ausrüstung von Hotels und Gaststätten. Während die Bauten sowohl von der Architektenleistung, der Konstruktions- und Bauqualität, der Verarbeitung, der Raumaufteilung als auch den Servicebereichen außerhalb der Blickweite eines Gastes aus westeuropäischer Sicht mitunter zu wünschen übrig lassen, sind Lobby, Speiseräume, Bars und Zimmer meist von ausgesuchter Qualität. Teure Designermöbel, originale Gemälde und nummerierte Lithographien an den Wänden – mit der Ausstattung wird nicht gekleckert. Wenngleich viele Objekte am westeuropäischen Geschmack vorbeigehen, oft überladen, übertrieben, kitschig oder voller Stilbrüche daherkommen, teuer und importiert sind sie allemal.

In den Küchen geht es technisch nüchtern zu. Namhafte Häuser beschäftigen westliche Chefköche, die Wert auf eine Topausstattung legen. In den Spitzenrestaurant haben auch hochpreisiges westeuropäisches Porzellan und Markenbesteck eine Chance, während in den Zimmern der Qualität von Matratzen und Bettwäsche große Aufmerksamkeit geschenkt wird. (M.B.)

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