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September 10, 2012

Arbeiten als Wellness-Hoteltester – ein Traumjob?

Ein Gastbeitrag von der Redaktion des Wellnessfinder

(Berlin, 10. September 2012) In den schönsten Hotels absteigen, Wellnessbereiche genießen und damit auch noch Geld verdienen? Hoteltester arbeiten dort, wo andere Urlaub machen. Das klingt erst mal nach einem tollen Beruf, doch als Hoteltester zu arbeiten, ist gar nicht so einfach und erholsam, wie man vielleicht denkt. Ein guter Hoteltester braucht viel Erfahrung und besondere Fähigkeiten, denn er hat einen knallharten Beruf.

Reception Leuchtschild

Das kann Hoteltester Schenk* bestätigen. Er arbeitet seit 19 Jahren als Hoteltester bzw. Hotel Quality Manager und prüft den Wellness-Faktor von Hotels auf aller Welt. Sein Auftraggeber ist meist das Hotel selbst. Gemeinsam wird eine Checkliste ausgearbeitet, um bewerten zu können, wie empfehlenswert das Wellness-Hotel ist – bis zu 300 Punkte kann so eine Checkliste umfassen. Sie hilft dem Hoteltester im Anschluss ein kompetentes Gutachten formulieren zu können. Wie freundlich war das Service-Personal, wie erholsam der Wellnessbereich, wie sauber das Zimmer und wie gesund das Essen? – Dem kritischen Auge und Gaumen von Herrn Schenk entgeht nichts: Er verfügt über eine detaillierte Beobachtungsgabe und weiß genau, was ein ausgezeichnetes Wellness-Hotel ausmacht.

Der lange Weg bis zur Karriere als Hoteltester
Wer Hoteltester werden möchte, dem stellen sich hohe Anforderungen: Eine abgeschlossene Ausbildung in der Hotellerie oder ein Studium im Bereich Hotel- oder Tourismuswesen sind ein Muss. Besser noch: Man hat beides erfolgreich abgeschlossen und kann zusätzlich eine langjährige Berufserfahrung im Hotel-Management vorweisen – in verschiedenen Hotelbereichen und unterschiedlichen Kategorien. Nur so ist es dem Hoteltester möglich, sich ein angemessenes Bild zu machen. Wenn er die Sauberkeit eines Zimmers beurteilt, dann mit dem Wissen, dass eine Putzfrau nur sehr wenig Zeit für die Reinigung eines Zimmers hat und so keine Grundreinigung leisten kann.

Fundierte Kenntnisse von Arbeitsabläufen im Hotelbereich, Objektivität und Diskretion, mindestens vier Sprachen und eine sehr gute Ausdrucksweise in Wort und Schrift, erwartet die Deutsche Akademie für Hoteldienstleistung und Service von ihren Hoteltestern. Wer all das erfüllen kann, der hat die Chance ein erfolgreicher Hoteltester zu werden und monatlich bis zu 12.000 Euro (Brutto) zu verdienen.

Hat man endlich sein Ziel „ Traumberuf Hoteltester“ erreicht, wird es anstrengend. Der Job ist zwar abwechslungsreich, aber auch stressig: Bis zu 200 verschiedene Hotels werden im Jahr getestet. Mal verbringt Herr Schenk drei Tage in einem Hotel, mal nur einen Tag – und das immer in einem anderen Look, damit er nicht erkannt wird. An einem Tag ist er in kurzer Hose und sommerlichem Hawaiihemd unterwegs, am nächsten Tag spielt er den Businessmann im schwarzen Anzug.

Neben der äußerlichen Erscheinung ist auch ein sicheres Auftreten unerlässlich. Jahrelange Mitarbeiter kennen die typischen Fragen und Tricks der Hoteltester – da kann man als Gutachter schon mal auffliegen. Nur wer sich gut in seine Rolle einfügt und sich möglichst unauffällig verhält, der hat als Hoteltester Erfolg. Selbst seiner Familie und Freunden muss er seinen wirklichen Beruf verheimlichen. Seit 19 Jahren glauben die wichtigen Menschen seines Lebens, er sei als Außendienstmitarbeiter tätig. „Manchmal fühle ich mich wie ein Spion“, so der Wellness-Gutachter über seine geheimnisvollen Missionen.

Herr Schenk reist oft allein, nur selten arbeitet er im Team. Sein Job verlangt ihm einiges ab, doch das stört ihn nicht – auch nach 19 Jahren ist er begeistert von seinem Arbeitsalltag:

„Hotels testen ist eine ganz schwere Arbeit, die man mit dem Herzen machen muss. Ich bin permanent unterwegs, doch ich lerne viele neue Leute kennen und reise in faszinierende Länder. Ich brauche die Abwechslung. An einem festen Ort zu arbeiten, kann ich mir nicht vorstellen.“

Mittlerweile hat Herr Schenk mit seiner Arbeit viel Geld verdient und will sich davon seinen Traum, von der eigenen Kneipe, erfüllen. Man kann sich jetzt schon sicher sein: Seine Gäste werden sich nicht langweilen, denn dann darf der ehemalige Hoteltester viele interessante Geschichten erzählen.

* Name von der Redaktion geändert

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