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May 22, 2008

Golfregion im Hotelbaufieber: Anzahl der Zimmer wird sich in den nächsten drei Jahren verdoppeln

Quelle: bfai, 22. Mai 2008

Überall in den Staaten des Golfkooperationsrats (GCC) entstehen neue Hotels. Am stärksten werden die Kapazitäten in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ausgebaut. Bei Luxushotels ist in den VAE allerdings eine Sättigung zu erwarten, wenn die geplanten und in Bau befindlichen Herbergen fertiggestellt sind. Nachholbedarf besteht in Nischen wie zum Beispiel bei preisgünstigen Unterkünften. Lieferanten von Hotelbedarf und -ausstattung bieten sich auf lange Zeit gute Chancen am Golf.

Der Nahe Osten ist der am schnellsten wachsende Reise- und Tourismusmarkt der Welt. Nach Angaben der Welttourismusorganisation sind im Zeitraum 2000 bis 2006 im Schnitt jedes Jahr 9,3% mehr Touristen in die Region geströmt. Beliebtestes Reiseziel am Golf sind die VAE, die auch weltweit zu den Top-20 zählen. Die meisten Touristen zieht es dabei in das Emirat Dubai. Waren es 2007 noch 7 Mio., so sollen es 2010 rund 10 Mio. und 2015 bereits 15 Mio. Besucher sein. Am Aufbau der dafür nötigen Bettenkapazitäten wird emsig gearbeitet.

Die zehn teuersten Hotelprojekte
im Mittelern Osten
Projekt Budget in Mio. $ Stand Land
Hurghada Tourism City 5.000 Planung Ägypten
Qatar Entertainment City 3.000 Design-Phase Katar
MGM Grand Abu Dhabi 3.000 Planung VAE
Asia-Asia Hotel 1.625 Design-Phase VAE
Dilmunia Island 1.531 im Bau Bahrain
Capital Centre Abu Dhabi 1.000 Design-Phase VAE
Hard Rock Hotel Dubai 1.000 Design-Phase VAE
Nile Corniche Cairo 1.000 Design-Phase Ägypten
InterContinental Expansion 800 im Bau Oman
Muscat Family Resort Musandam 780 Design-Phase Oman

Quelle: Proleads

Derzeit gibt es der Fachzeitschrift MEED zufolge in den VAE rund 49.500 Hotelzimmer, davon 42.000 in Dubai. Andere Quellen sprechen von aktuell 60.000 Zimmern im ganzen Land und 47.000 in Dubai. Die unterschiedlichen Zahlenangaben könnten aus der Einberechnung auf Tagesbasis mietbarer Apartments resultieren. Die Kapazitäten indes werden rasant ausgebaut. So soll sich bis 2010 die Zahl der Zimmer auf 123.000 mehr als verdoppeln und bis 2015 auf 180.000 verdreifachen. Die Zahl der Hotels wird bis 2010 von derzeit 297 auf 537 steigen. Bislang sind die Hotels mit 80% ausgelastet.

Alleine in der Nähe des neuen Großflughafens sollen 50 Hotels gebaut werden, davon 35 mit 15.000 Zimmern in der Commercial City. Bawadi, das größte Hotelprojekt im Nahen Osten, und – wie die Tageszeitung Emirates Business schreibt – wahrscheinlich weltweit, entsteht in Dubailand. In diesem neuen Stadtteil der Superlative sollen Attraktionen wie die Mall of Arabia, das größte Einkaufszentrum der Welt, Freizeitparks, Museen, Theater und Veranstaltungszentren täglich 200.000 Besucher anziehen.

Insgesamt umfasst Bawadi 51 Hotels mit 60.000 Zimmern und 1.500 Restaurants und Bars. Kostenpunkt: 54,5 Mrd. $. Kernstück des Projekts wird das Hotel Asia-Asia mit insgesamt 6.500 Zimmern sein, davon 5.100 mit vier und 1.400 mit fünf Sternen. Der erste Teil der künftig größten Herberge der Welt soll Ende 2012 fertiggestellt sein. Als erstes Hotel im Bawadi-Komplex wird das Desert Gate Hotel Ende 2011 seine Tore öffnen.

Auf der künstlichen Inselgruppe Palm Jumeira sind rund 30 Luxushotels international bekannter Ketten mit insgesamt 7.500 Zimmern vorgesehen. Elf davon sind bereits im Bau und werden innerhalb der kommenden zweieinhalb Jahre fertiggestellt sein.

Allerdings glauben Branchenkenner, dass der Bedarf an Luxushotels in den VAE schon bald gedeckt sein dürfte. Weiterhin steigen wird dagegen die Nachfrage nach preisgünstigeren Unterkünften mit drei oder vier Sternen. Mehrere internationale Ketten planen bereits einen entsprechenden Einstieg. So will die französische Accor-Gruppe bis 2011 im Nahen Osten 90 Hotels eröffnen, mehr als die Hälfte davon unter den Markennamen Ibis und Novotel. Das Unternehmen Emaar Hospitality Group hat sein Interesse an einer Zusammenarbeit mit Accor bekundet.

Auch das Entwicklungsunternehmen Nakheel will in dieses Marktsegment vorstoßen. Dabei wird es mit der Jebel Ali Free Zone (Jafza) zusammenarbeiten. Noch Ende Mai 2008 sollen die Arbeiten an dem ersten Hotel beginnen, das unter dem Namen der Kette EasyHotel firmieren wird. Die Fertigstellung der 216-Zimmer-Unterkunft ist für Juni 2009 vorgesehen. Der Bau weiterer Hotels soll folgen. Nakheel hat sich die Francise-Lizenz für alle künftigen EasyHotels im Nahen Osten gesichert. Auch die niederländisch-schweizerische Gruppe Golden Tulip will ihre Präsenz ausbauen und bis 2010 über 55 Hotels in der Region verfügen.

Getrieben wird die Nachfrage nach preiswerteren Unterkünften vor allem von Geschäftsreisenden mittlerer Führungsebenen sowie von solchen, die für eine längere Zeit im Land bleiben. Hinzu kommt die steigende Kaufkraft in der Region: Immer mehr Menschen können sich eine Flugreise leisten, zumal die Zahl der Billigflieger steigt, und beflügeln damit den Tourismus innerhalb der arabischen Staaten. Dadurch wird auch die Nachfrage in weiteren Marktsegmenten steigen, so etwa die nach Unterkünften, die den islamischen Vorschriften nach Geschlechtertrennung genügen und in denen kein Alkohol ausgeschenkt wird.

Der Tourismus spielt in den VAE eine wichtige Rolle bei den Bemühungen zur Diversifizierung der Wirtschaft. Besonders fortgeschritten ist dabei das ölarme Emirat Dubai. Dort trägt der Fremdenverkehr nach Angaben der Tageszeitung Emirates Business bereits 19% zum Bruttoinlandsprodukt bei. Unter Einberechnung des Luftverkehrs-, Telekommunikations- und Transportsektors seien es indirekt sogar 31%.

Für deutsche Unternehmen ist vor allem die Hotelausstattung ein interessantes Geschäft: Von der Zimmermöblierung, der Bettwäsche, der Barausstattung bis hin zu den obligaten Kronleuchtern sowie Restaurants und Küchen sind deutsche Unternehmen dem Vernehmen nach bislang gut im Geschäft.

Der Boom im Hotelbau ist indes nicht allein auf die VAE beschränkt. Auch in den anderen GCC-Staaten laufen viele Investitionen in den Tourismussektor. Derzeit gibt es laut MEED in den Mitgliedsstaaten gut 95.000 Hotelzimmer. Diese Zahl soll sich bis 2010 mehr als verdoppeln. Im selben Zeitraum wird die Anzahl der Hotels voraussichtlich von 582 auf 940 klettern.

Kennzahlen zum Hotelbestand und -neubau in den GCC-Staaten
Land Anzahl der Hotelzimmer (aktuell) Anzahl der Hotelzimmer (2010) Anzahl der Hotels (aktuell) Anzahl der Hotels (2010) Auslastung der Hotels (aktuell in %) Durchschnittlicher Preis für ein Hotelzimmer
Bahrain 7.028 10.799 77 91 73 216
Katar 6.064 13.057 29 56 69 260
Kuwait 4.010 8.512 25 46 60 224
Oman 5.733 8.922 62 80 72 176
Saudi-Arabien 22.766 31.653 92 130 64 173
VAE 49.494 122.593 297 537 80 302

Quelle: MEED

Allerdings machen sich auch beim Bau der Hotels die Schattenseiten des Baubooms immer stärker bemerkbar: Die Kosten schießen in die Höhe, weil Grundstücke, Baumaterialien, Fachkräfte und Arbeiter immer knapper werden. Die Fertigstellung vieler Hotels verzögert sich. Vor allem Dubai ist von dieser Entwicklung betroffen. Dort haben sich, so MEED, die Baukosten für ein Hotelzimmer in den vergangenen anderthalb Jahren von 500.000 $ auf 1,5 Mio. $ verdreifacht. Die erwartete Rentabilität sinkt und viele Unternehmen müssen ihre Pläne ändern oder nach neuen Finanzierungsquellen suchen. Hinzu kommt die Frage, ob die Entwicklung der Infrastruktur mit den Expansionsplänen Schritt halten wird.

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