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May 15, 2008

Hongkongs und Macaus Hotels bevorzugen Haushaltswaren aus Europa

Quelle: bfai, 15. Mai 2008

Deutschland wichtiger Lieferant / Chinas Porzelanhersteller in der Krise

Europäische Haushaltswaren erfreuen sich bei den Hotel- und Küchenchefs Hongkongs und Macaus einer große Beliebtheit. Da nicht wenige von ihnen aus Deutschland kommen, haben sie ein Faible für “made in Germany” Produkte. Doch die privaten Konsumenten holen auf. In immer mehr Apartments werden sündhaft teure Küchen eingebaut, die entsprechend bestückt werden wollen. Wer sich als ausländischer Markenanbieter einen Namen schaffen will, muss exklusive Verkaufsfläche anmieten.

Für die ausländischen Anbieter von Haushaltswaren ist Hongkong ein kleiner, aber feinder Absatzmarkt. Zwar kaufen die meisten Konsumenten billige “made in China” Produkte. Doch die Nachfrage nach hochwertigen Importen aus Europa wächst. In immer mehr Apartments werden exklusive Küchen – überwiegend aus deutscher Produktion – eingebaut. Entsprechend dynamisch entwickelt sich die Nachfrage nach Porzellan, Glas- und Kristallwaren, Messern, Bestecken oder Töpfen.

Da es nach Angaben des halbstaatlichen Trade Development Council (TDC) keine einheimischen Hersteller von Haushaltsartikeln gibt, muss die Sonderverwaltungsregion (SVR) 100% ihres Bedarfs importieren. Im Jahr 2007 beliefen sich die entsprechenden Einfuhren auf 1,5 Mrd. US$, ein Minus von 1% gegenüber 2006. Den Rückgang erklären sich Branchenkenner vor allem mit statistischen Effekten.

So stammen 80% der Einfuhren aus der VR China und werden anschließend über den Freihafen Hongkongs reexportiert. Doch dieser Teil des Handels ist rückläufig. So benutzen immer mehr Hersteller in Südchina die deutlich günstigeren Häfen in Shenzhen oder Guangzhou. Zudem befindet sich die Haushaltswarenindustrie im benachbarten Perlflussdelta in der Krise. Sie leidet unter stark steigenden Fertigungskosten und strengeren Auflagen bezüglich Umwelt- und Arbeitsschutz. Die Porzellanhersteller beispielsweise mussten 2007 einen deutlichen Rückgang ihrer Ausfuhren hinnehmen.

Hongkongs Außenhandel mit Haushaltsartikeln (in Mio. US$)

Importe Exporte
2005 1.662 2.001
2006 1.534 1.885
2007 1.517 1.853

Quelle: Census and Statistics Department

Während Hongkongs Haushaltswarenimporte aus China schrumpfen, entwickeln sich die Einfuhren insbesondere aus Europa sehr dynamisch. Deutsche Hersteller lieferten 2007 Produkte im Wert von rund 34 Mio. US$ in die SVR, ein Pus von 19% gegenüber 2006. Damit lagen sie hinter der Konkurrenz aus China und Japan auf Rang drei der Einfuhrstatistik.

Ebenso verzeichneten Anbieter aus Frankreich und Italien starke Umsatzzuwächse. Der Höhenflug des Euros – der Hongkong Dollar (HK$) ist fest an den US$ gekoppelt und hat daher gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung im Laufe des Jahres 2007 stark an Wert verloren – scheint den Umsatz nicht beeinträchtigt zu haben.

Hongkongs Haushaltswarenimporte nach Lieferländern (in Mio. US$, Veränderung gegenüber Vorjahr und Einfuhranteil in %)

Länder 2007 Veränderung Anteil
VR China 1.262,3 -2,4 83,2
Japan 48,1 6,9 3,2
Deutschland 34,4 18,6 2,3
USA 25,1 0 1,7
Frankreich 19,6 24,1 1,3
Italien 17,7 12,7 1,2
Taiwan 15,7 -1,3 1,0
Thailand 14,4 21,0 0,9
Österreich 13,0 -31,6 0,9
Korea (Rep.) 7,9 -17,7 0,5

Quelle: Census and Statistics Department

Das lebhafte Geschäft ist auch auf die verstärkte Nachfrage aus dem Hotel- und Gastronomiesektor zurückzuführen. Hongkongs Spitzenhotels haben sich in den letzten Jahren höher positioniert. Zudem gibt es eine Sonderkonjunktur im benachbarten Macau, das nahezu sämtliche Einfuhren über den Hongkonger Flug- beziehungsweise Containerhafen bezieht.

In der ehemaligen portugiesischen Kolonie bauen US-Spielbankgesellschaften riesige Hotel-Kasino-Komplexe. So eröffnete beispielsweise 2007 das “Venetian” mit über 3.000 Zimmern. Weitere 20 Fünfsternehotels internationaler Ketten sollen bis 2012 hinzukommen. Sie benötigen nicht nur Porzellan und Glaswaren für ihre Restaurants, sondern auch qualitativ hochwertige Produkte für den Einsatz in ihren Großküchen.

In Hongkong und Macau sind in nahezu jedem Luxushotel Manager und Köche aus Deutschland beschäftigt. Sie haben einen teilweise erheblichen Einfluss bei der Anschaffung der Küchen- bzw. Restaurantausstattung und bevorzugen “made in Germany” Produkte. Dadurch könnten die deutschen Haushaltswarenhersteller in den beiden SVR höhere Umsätze als beispielsweise die Konkurrenz aus einem Gourmetland wie Frankreich erzielen.

Anbieter von exklusiven Haushaltswaren wie Porzellan, die in Hongkong und Macau neben dem Projektgeschäft auch den Konsumenten direkt ansprechen wollen, sollten exklusive Verkaufsräume in einer der zahlreichen Shoppingmalls anmieten. Dies kann angesichts der horrenden Mieten zwar ein sehr kostspieliges Vergnügen werden, jedoch zahlt sich in einer Gesellschaft, in der Statussymbole eine große Rolle spielen, jeder in die Marke investierte Euro langfristig aus. Wer sich als Premiumanbieter etabliert hat, kann einen kräftigen Preisaufschlag verlangen.

Hongkongs Branchenimporte (in Mio. US$)

SITC Code Produktbezeichnung 2006 2007
665.2 Glaswaren zur Verwendung bei Tisch, in der Küche oder Toilette 108,1 105,0
.Deutschland 5,6 9,1
666.1, 666.2 Geschirr und andere Haushalts- bzw. Toilettengegenstände aus Keramik 124,7 109,8
.Deutschland 2,8 2,6
696.4, 696.5, 696.8 Scheren, Messer und andere Schneidwaren 101,0 104,9
.Deutschland 2,4 2,5
696.6 Bestecke 144,6 126,8
.Deutschland 1,0 0,6
697.3 Kochgeräte aus Eisen, Stahl oder Kupfer 66,8 55,2
.Deutschland 1,9 4,2
697.4 Haushaltsartikel aus Eisen, Stahl, Kupfer oder Aluminium; Schwämme, Lappen, Handschuhe 262,5 271,8
.Deutschland 5,6 4,8
697.5 Sanitärartikel aus Eisen, Stahl, Kupfer oder Aluminium 49,6 62,8
.Deutschland 6,1 6,8
697.8 Haushaltsartikel aus unedlen Metallen 247,7 250,1
.Deutschland 0,5 0,8
893.32 Geschirr und andere Haushalts- oder Toilettenartikel aus Kunststoff 428,7 430,1
.Deutschland 3,1 3,0

Quelle: Census and Statistics Department (R.R.)

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