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July 27, 2012

Hotelpools nicht sicher? Eltern des ertrunkenen Lucas (8) machen Druck

(Frankfurt/Main, 27. Juli 2012) Regelmäßig ertrinken Erwachsene und Kinder in Hotelpools – die Liste der Unfälle wird immer länger. Der besonders tragische Fall des Lucas Göb (8) aus Deutschland, der Mitte Oktober 2011 im Pool des Sunrise Monica Beach Hotels auf Fuerteventura ertrank, zieht mediale Kreise. Lucas wurde beim Tauchen im 1,46 Meter tiefen Becken mit dem Brustkorb an den Grund des Pools angesaugt, es gab kein Entkommen. Nun starteten seine Eltern Ulrike und Alexander Göb die Initiative „Parents4Safety“, um vor den zahlreichen lauernden Gefahren in ungesicherten Hotelpools zu warnen.

Sunrise Monica Beach Hotel auf Fuerteventura: Hier ertrank im Herbst 2011 der kleine Lucas Göb (8) in nur 1,46 Meter tiefem Wasser – er wurde mit dem Brustkorb an den Grund des Pools angesaugt, es gab kein Entkommen. Die Mängel der Poolanlage waren dem Hotel bekannt. Lucas könnte noch leben.

Sunrise Monica Beach Hotel auf Fuerteventura: Hier ertrank im Herbst 2011 der kleine Lucas Göb (8) in nur 1,46 Meter tiefem Wasser – er wurde mit dem Brustkorb an den Grund des Pools angesaugt, es gab kein Entkommen. Die Mängel der Poolanlage waren dem Hotel bekannt. Lucas könnte noch leben.

Vor kurzem veröffentlichte RTL eine TV-Reportage zu dem Fall und Hintergrund. Bei der Recherche stellte sich heraus: Die Mängel der Poolanlage waren dem Hotel bekannt. Lucas könnte noch leben.

Gemeinsam mit dem RTL-Reporter Ralf Benkö und mehreren Sachverständigen wurde eine Sicherheits-Checkliste für Hotelpools erarbeitet:

Sicherheits-Checkliste für Hotelpools (Download: http://www.parents4safety.de/download/checkliste.pdf)

1. Wirkt die Poolanlage ungepflegt oder beschädigt?
2. Gibt es im Pool unter Wasser dunkle Löcher, die man vom Rand aus erkennen kann?
3. Hängen Gegenstände an den Ansauggittern oder sind diese verstopft?
4. Handtuchtest durchführen: Handtuch vorsichtig vor den Ansaugöffnungen treiben lassen, es sollte nicht angesaugt werden
5. Gibt es offene Kabel oder defekte Pool-Beleuchtungen?
6. Abgrenzung Schwimmer/Nichtschwimmer
7. Kinder nicht unbeaufsichtigt schwimmen lassen!
8. Was tun wenn Mängel deutlich erkennbar sind? Wichtig ist solche Mängel sofort zu dokumentieren z.B. Notizen, Fotos, Filme machen.

parents4safetyDer mediale Druck auf schlampig arbeitetende Hotels wird größer. RTL startete mit www.sichererpool.de ein eigenes Infoportal, um auf Mißstände aufmerksam zu machen. Es gibt noch mehr Druck: Der Deutsche Reise-Verband schickt sog. Pooltester in ausgewählte Hotels, um die Sicherheit fachgemäß zu überprüfen. Werden diese nicht abgestellt, will man im Verband darauf hinwirken, dass die Hotels aus den Programmen der deutschen Reiseveranstalter gestrichen werden. Zu Beginn der Sommersaison nahmen die Pooltester in den wichtigsten Reiseländern rund um das Mittelmeer, allen voran in Spanien, ihre Arbeit auf. Anhand von Checklisten, die stetig ergänzt und aktualisiert werden, finden regelmäßige Kontrollen – darunter auch der Gitter an den Ansaugstellen in den Pools – statt. In diesem Jahr sollen in Spanien und in der Türkei insgesamt rund 1.100 Poolanlagen “gesichtet” werden.

Die Frage nach geprüfter Sicherheit wird einem immer wieder gestellt: Der Hotelchecker Ulrich Jander macht immer wieder auf eklatante Sicherheitsmängel bei Hotelpools aufmerksam – sehr zum Missfallen der Hoteliers. „Hotelpools werden häufig stiefmütterlich behandelt. So bekomme ich auf Nachfrage oft die Antwort, ‚die Wassertiefe sei unter der Beaufsichtigungsgrenze, also brauchen wir keinen Bademeister’. Leider reden sich immer mehr Betreiber aus dieser Verantwortung. Der Tatsache, dass man auch schon in kleinen Wassertiefen ertrinken kann, wird hier keine Bedeutung zugemessen“, berichtet Jander. So wie der kleine Lucas, der bei nur 1,46 Meter Wassertiefe ertrank. Der Bericht seiner Eltern („Lucas letzter Tag“ – hier zum Download: http://www.parents4safety.de/download/unfallbericht.pdf) ist erschreckend.

„Ich sehe in dem Tod von Lucas ein Vergleich zu dem tragischen Unfall vom 3. Mai 1969 wo Björn Steiger bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Auch hier setzten sich die Eltern ähnlich wie bei Lucas für eine Revolutionierung der Rettungsleitstellen ein der für alles Meschen in Deutschland mehr Sicherheit gebracht hat“, erinnert sich Jander.

„Es muss endlich mal ein Erwachen der verantwortlichen Hoteliers geben“, fordert der Hotelchecker. Der RTL-Urlaubsretter Ralf Benkö habe bei Tests in Hotelpools drastisch demonstriert, welche Gewalt diese Umwälzanlagen haben, die ein kleines Kind festsaugen können.

„Während der Hotelchecks stelle ich immer wieder die Frage: ‚Wo ist denn der Notausschalter für die Pumpen?’ Und keiner weiß es, und das ist schon ein erbärmliches Zeichen“, beklagt Jander. Oft nimmt Jander bei seinen Hotelchecks eine etwas größere Puppe, die er im Wasser „ertrinken“ lässt. Über Notruf bzw. andere Gäste wird dann an der Rezeption Bescheid gesagt, aber was sich anschließend zeigte, war einfach nur erschreckend: „Hilfeleistung – ein Fremdwort“, so Jander. „Man fordert Gäste auf, in den Pool zu springen, um das Kind zu retten, weil man ja keinen Badeanzug dabei hat. Oder – so geschehen hier in Deutschland – als man die DLRG angerufen hat, denn die ist ja für Wasserrettung zuständig, und dann entsetzt war, dass nur der Anrufbeantworter dran ging. Die ganze Aktion dauerte 15 Minuten, eigentlich wäre man da schon mehrmals ertrunken.“

Immer wieder gaukeln Hotels Sicherheit an den Pools vor, berichtet der Sicherheitsberater. Angeblich werden Sicherheitseinrichtungen vorgehalten – so gesehen in einem Urlaubshotel, wo ein Plastikkasten stand, in dem ein CB-Funkgerät lag – nur, die Batterien waren leer! In einem anderen Hotel steht ein Schild am Pool, dass zu den Öffnungszeiten ein Bademeister vor Ort ist, was aber nicht den Tatsachen entspricht.

Jander: „Man sollte sich vorher darüber informieren, ob das Hotel oder die Ferienanlage schon mal auffällig geworden ist, und dann vor Ort als Elternteil auch mal den Pool richtig inspizieren.“ Gefahren lauern zum Beispiel in Schutzgittern, die nicht richtig befestigt sind, oder auch in Scheinwerfern, die im Pool lose herumhängen.

Immer häufiger wird Jander von Versicherungen bzw. Rechtsanwälten beauftragt zu überprüfen, wie sicher Pools sind. Hierbei geht es um Schadensersatzansprüche, die geltend gemacht werden. Insbesondere mit den Themen „Haftungsrecht“ oder auch „Aktives Unterlassen“ beschäftigen sich die Rechtsanwälte. Hotels sollten darauf achten, dass die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden, rät Jander. Seitens der Hotels sollte eine ausreichende Anzahl von Mitarbeitern ausgebildet sein, die eine Rettung aus dem Wasser durchführen und auch Erste Hilfe leisten können – denn das nächste Unglück kommt schneller als man denkt.

2 Comments on “Hotelpools nicht sicher? Eltern des ertrunkenen Lucas (8) machen Druck

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