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February 21, 2008

Indiens Hotellandschaft wird vielfältiger

Quelle: bfai, 19. Februar 2008

Angebot an Budget-Hotels und Serviced Apartments wächst 

Die indische Tourismusindustrie leidet nach wie vor unter einem Mangel an Übernachtungsmöglichkeiten. Die Hotelpreise in den Metropolen Delhi, Mumbai und Bangalore zählen inzwischen zu den höchsten der Welt. Vor allem bei großen Messen werden die Hotelzimmer knapp. Geschäftsreisende und Langzeitbesucher loten daher Alternativen aus, um ihre Reisekosten zu drücken. Speziell für diese Kundengruppe sollen in den nächsten Jahren immer mehr Budgethotels und Service-Apartments errichtet werden. (Kontaktanschrift)

Der indische Tourismussektor hat seit Jahren mit steigenden Besucherzahlen und nicht ausreichenden Übernachtungsmöglichkeiten zu kämpfen. Insbesondere in der Hauptreisezeit von September bis März und während wichtiger Messen sind die Hotels in den Großstädten schnell ausgebucht. Und das, obwohl die Zimmerpreise inzwischen zu den höchsten weltweit gehören. Ganz vorne liegt die IT-Metropole Bangalore, wo laut einer Studie der Unternehmensberatung Indus View die Übernachtung in einem Doppelzimmer mit Preisen zwischen 350 und 500 US$ zu Buche schlägt. Auf Rang zwei folgt Mumbai mit Raten von 250 $.

Seit 2004 haben sich die durchschnittlichen Übernachtungspreise in Delhi, Mumbai, Banglore, Kolkata und Chennai nahezu verdreifacht. Die Federation of Hotel & Restaurant Associations of India (FHRAI) erwartet bis 2010 keine Entspannung bei den Zimmerpreisen. Im Gegenteil: In den nächsten drei Jahren sollen die “Average Room Rates” (ARR) zwischen 15 und 20% per annum zulegen, in Mumbai sogar um 30%, so eine Prognose des Verbandes. Lediglich für Bangalore erwartet FHRAI einen moderaten Anstieg um 5%.

Die Belegungsquote der Hotels lag im Finanzjahr 2006/07 (1.4. bis 31.3.) bei 74% und soll bis 2009/10 auf über 80% steigen. Erst ab 2010, so die Einschätzung der FHRAI, werden die Zimmerpreise wieder sinken. Bis dahin sollen eine Reihe großer Hotelvorhaben in den Metropolregionen des Landes fertiggestellt sein. Das Investitionsvolumen der bislang angekündigten Expansions- und Greenfieldprojekte beläuft sich laut FHRAI auf rund 2 Mrd. $.

Nach Branchenschätzungen gibt es in ganz Indien derzeit etwa 110.000 Zimmer im Markensegment, also Unterkünfte, die in eine der sechs Sternekategorien (Ein Stern bis Fünf-Sterne-Deluxe) beziehungsweise die Sparte “Heritage Hotel” fallen. Zum Vergleich: London alleine hat 90.000 Zimmer in diesen Kategorien zu bieten, New York 75.000. FHRAI schätzt den Bedarf bis 2010 auf zusätzlich 125.000 Übernachtungsmöglichkeiten, alleine in Mumbai fehlen schätzungsweise 10.000 Zimmer, so der Verband.

Kein Wunder, dass angesichts des knapper werdenden Angebots und steigender Zimmerpreise die Suche nach alternativen Unterbringungsmöglichkeiten wächst. Vor allem Geschäftsreisende, die etwa 80 bis 90% der Hotelgäste in den Metropolen ausmachen, setzen verstärkt auf preisgünstige Budget-Hotels und bei längeren Aufenthalten auf Service-Apartments.

Bislang ist das Angebot in den beiden Kategorien zwar noch gering und auf die indischen Großstädte beschränkt. Doch das Potenzial – insbesondere von Budget-Hotels – wird von Branchenbeobachtern positiv eingeschätzt. Die Unternehmensberatung HVS International geht davon aus, dass etwa die Hälfte aller bis 2012 errichteten Hotelzimmer in Budget-Hotels der Kategorien 3- und 4-Sterne fallen werden. Grund für diese positive Entwicklung ist die Tatsache, dass immer mehr internationale sowie die großen indischen Hotelketten diese Klientel bedienen möchten.

Insgesamt sollen bis 2015 etwa 40 Unternehmen aus dem Hotelgewerbe Budget-Unterkünfte auf dem Subkontinent eröffnen. Mit derzeit elf Häusern ist die zur Tata Group gehörende Roots Corp. mit ihrer Marke “Ginger” führend in diesem Segment. Abgesehen von Bangalore befinden sich die Hotels in aufstrebenden Tier-2-Städten wie Pune, Vadodara und Haridwar. Das Unternehmen möchte in den nächsten Monaten weitere sieben Häuser eröffnen, darunter auch in der Hauptsstadt New Delhi. Bis Ende 2008 sollen insgesamt 30 neue Hotels mit einer Bettenkapazität von 3.000 den Betrieb aufnehmen.

Das indische Unternehmen Fortune Park Hotels beabsichtigt laut Presseinformationen, bis 2012 insgesamt 60 Unterkünfte im Budgetbereich zu eröffnen. Den Investitionsbedarf beziffert die Firma auf 1,3 Mrd. indische Rupien (iR; 22,5 Mio. Euro; 1 Euro = 57,65 iR). Doch nicht nur indische Hotelketten engagieren sich in diesem Segment. Die französische Accor Group möchte künftig mit seinem Brand “Formule 1” auch auf dem Subkontinent vertreten sein und kooperiert bei ihrem Markteinstieg mit Emaar MGF.

Neben den Budget-Hotels etablieren sich zunehmend auch Service-Apartments, die vor allem auf das Klientel der Langzeitgeschäftsreisenden abzielen. Laut FHRAI fallen rund ein Fünftel der Hotelgäste in diese Kategorie. Der Verband schätzt daher den Bedarf an komplett eingerichteten Wohnungen alleine in den vier Metropolen auf mindestens 600 Einheiten. Die Übernachtungspreise liegen im Schnitt 50% unter denen von Fünf-Sterne-Hotels.

Laut einer Untersuchung des Branchenmagazins “Jaaydaad” unter Anbietern von Service-Apartments in der Hauptstadtregion liegen die Tagesmieten je nach Größe, Ausstattung und Lage des Objektes zwischen 3.000 iR (Studio-Apartment) und 5.500 iR (zwei bis drei Schlafzimmer). Die Preisspanne für die Anmietung von einer Woche reicht von 21.000 bis 45.000 iR, für die monatliche Nutzung von 50.000 bis 300.000 iR.

Das Interesse der Bau- und Immobilienbranche an der Entwicklung von Service-Apartments wächst. Nach Angaben der Delhi Development Authority (DDA) liegen derzeit 30 Anträge zum Bau von entsprechenden Unterkünften vor. In den angrenzenden Städten Noida und Gurgaon wurden bereits 40 beziehungsweise 50 Genehmigungen erteilt. In der Hauptstadtregion ist die Situation besonders dringlich, da hier 2010 die “Commonwealth Games” stattfinden und laut Stadtverwaltung bis dahin 30.000 zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen werden müssen. Darüber hinaus befinden sich derzeit Projekte in Bangalore, Chennai und Hyderabad im Bau.

Kontaktanschrift:
Federation of Hotel & Restaurant Associations of India (FHRAI)
B-82, 8th Floor, Himalaya House, 23,Kasturba Gandhi Marg, New Delhi – 110 001
Tel.:             0091 11/23 31 87 81       , Fax: -23 32 26 45
E-Mail: , Internet: www.fhrai.com

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