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January 27, 2014

Interview mit Gastro-Experte Ulrich Jander: Viele TV-Tests sind manipuliert

(Rüsselsheim, 27. Januar 2014) Zurzeit überschlagen sich Meldungen über geschönte Zahlen durch den ADAC in den Medien. Nun gibt es Zweifel: Wurden auch bei den Raststätten die Tests manipuliert? Wir befragen dazu den aus dem TV bekannten Hotel- und Gastronomieexperten Ulrich Jander.

Gastro-Experte Ulrich Jander

Gastro-Experte Ulrich Jander

Herr Jander, Sie testen seit vielen Jahren Hotels, man kennt Sie auch aus dem Fernsehen, ist es denn so einfach, einen Test zu faken?
Ulrich Jander: „Ja, das ist ganz einfach, es kommt immer auf die Betrachtungsweise an und es gibt auch Vorgaben seitens des Beauftragenden. Mit einfachen Worten: Wer die Musik bezahlt, bestimmt was gespielt wird.“

Wie muss sich denn der Leser so etwas vorstellen?
Jander: „Es kommt zunächst darauf an, welche Zielgruppe ich ansprechen möchte und was am Ende dabei herauskommen soll. Will ich ein Produkt oder eine Dienstleistung besonders hervorheben, oder will ich mein Produkt platzieren und die Mitbewerber schlecht machen.“

Ja und wie soll so was gehen?
„Wie schon oben erwähnt, es ist immer ein Betrachtungswinkel, ich kann eine Filmeinstellung so machen, dass es erbärmlich aussieht, oder ich mache Bilder mit schönem Sonnenschein und lachenden Gästen, die zeigen, dass sie sich wohlfühlen.“

Das heißt doch dann, dass es Manipulationen gibt…
„Klar, ich gehe mal auf den Test Hygienemängel ein, den zum Beispiel der Hessische Rundfunk genannt hatte bei der Raststätte. Man geht auf die Toilette, macht sein Geschäft, spült nicht und manipuliert somit die Sauberkeit, man filmt das Ganze und damit schneidet der Betrieb schlecht ab.“

Und wie sieht das bei den Restaurants aus?
„Auch ganz leicht, ich lasse mein Essen einen Moment stehen, sage, dass das Essen kalt ist und nicht schmeckt. Nicht schmecken ist subjektiv, dem einen schmeckt’s, dem anderen nicht. Anderes Beispiel: Ich drücke einer Assistentin einen Lippenstift in die Hand, sie schminkt sich und hinterlässt einen Abdruck auf der Tasse, also sage ich, hier hat keine Reinigung stattgefunden. Das Testerteam hat den Tisch nicht abgeräumt, macht ein Foto in Großaufnahme – alles dreckig, und schon ist das Restaurant auf der Verliererseite.“

Dann ist man solchen Tests hilflos ausgesetzt?
„Das stimmt, man will ja in bestimmten Bereichen schlechte Beispiele zeigen, um dann seine eigenen oder die positiv zu bewertenden Einrichtungen hervorzuheben, teilweise auch mit größeren Portionen.“

Herr Jander, Sie haben ja auch für Achtung Kontrolle bzw. für den Hessischen Rundfunk und diverse andere Sender Reportagen gemacht, sind Sie auch so vorgegangen?
„Nein!! Wir haben diese Tests in Begleitung der Geschäftsleitung gemacht. Wir haben dabei auch einige Dinge aufgedeckt, sie aber umgehend mit den verantwortlichen Personen aus dem Betrieb besprochen. So hatten die Angesprochenen sofort die Möglichkeit, sich zu erklären. Und so sollte das auch sein.
Wir arbeiten mit einer sehr guten Produktionsfirma (Good Choice) aus Berlin zusammen, die mir den Freiraum lässt und nicht auf Fakes aus ist. Das hat jedoch auch den Nachteil, dass solche Sachen vom Sender nicht gewollt sind, man will Aktion, und wenn dann noch irgendeiner ‚was aufs Dach’ bekommt, ist das der Reißer.“

Sie decken ja ein breites Spektrum in der Hotellerie ab…
„Ja, die Beratung ist sehr umfangreich, das haben einige Betriebe auch erkannt und die Nachfrage ist groß. Man weiß, dass wir seit knapp zwei Jahren sogenannte Risikoanalysen im Betrieb machen, das bedeutet, wir zeigen dem Unternehmer auf, wo seine Schwachstellen sind, wo Handlungsbedarf besteht und wo er angreifbar ist.“

Was bedeutet das denn im Einzelnen?
„Wir erläutern dem Betreiber, was passieren kann und mit welchen auch rechtlichen Dingen er sich auseinandersetzen muss. Fast immer fallen die Verantwortlichen in einen Schockzustand, weil sie sich nicht im Klaren sind, auf welch dünnem Eis sie sich bewegen und was so alles passieren kann.“

Also sind Sie die das A-Team?
„Müsste man mal überlegen, welcher der vier Protagonisten auf mich passt. Das überlassen wir anderen. Ich weiß, was ich kann, und unsere Kunden auch. Aber wir kommen, wie Sie so schön gesagt haben, auch, wenn der Kunde schon negativ bewertet wurde, um darzulegen, dass die gemachten Vorwürfe haltlos sind.
Vor zwei Jahren musste ich zu einem Test im Fernsehen eine Stellungnahme schreiben, man konnte da schon deutlich die Manipulationen erkennen. Das ist diese Art Aufträge, die hereinkommen, damit dann auch wegen falscher und belegter unwahrer Darstellungen nicht mehr ausgestrahlt werden darf.“

Meinen Sie, dass sich dieser Marktbereich beruhigt?
„Nein, das denke ich nicht. Man sieht es ja auch an den Diskussionen, die gerade auch in Ihrer Zeitschrift immer wieder aufkommen. Man kann Aussagen in Bewertungsportalen oder bei Social Media kaum noch Glauben schenken.
Auch im Fernsehen: Was ist eine Dokusoap, was ist real? Es lässt sich heute kaum noch feststellen, was gestellt oder was wahr ist. Gehen Sie nach Mallorca an den Ballermann, spendieren Sie den Leuten einen Eimer Bier, dann bekommen Sie alles was sie wollen und vorgeben in die Kamera gesagt. Und das ist erschreckend.“

Was bedeutet das für Ihre Tätigkeit?
„Ich habe einen klaren Weg, ich lasse mich auf Manipulationen nicht ein, ich mache meine Tests zusammen mit den verantwortlichen Personen des Hotels. Wenn wir über Gefahren im Bereich der Sicherheit am Urlaubsort berichten, werden die Hotelnamen gepixelt.“

Wo sehen Sie momentan Ihre Schwerpunkte?
„Aufgrund dieser ganzen Unruhen sehen wir momentan auch darin unsere Arbeit, den Kunden auf die Stolpersteine hinzuweisen und ihn individuell zu beraten. Unser Vorteil ist natürlich, dass wir in alle Bereiche reinkommen, und nicht wie vielleicht manch anderer, einen Test vom Parkplatz aus dem Auto heraus machen und so einfach eine Checkliste abarbeiten.“

Im Fernsehen habe ich Sie mal mit einem großen Koffer gesehen, wofür ist der?
„Der Koffer ist inzwischen etwas komfortabler. Wir haben Messgeräte dabei, wir können  Hygienemessungen machen und Temperatur, Raumluft sowie Licht checken und ein Wärmebild anfertigen. Wir führen einen Milbentester und sogar einen Geigerzähler im Koffer mit.“

Wofür braucht man einen Geigerzähler?
„Es gibt zwei Einsatzarten, einmal im Bereich Lebensmittel, sind die eventuell verstrahlt? Man denke an Fukushima, Bereich Fisch, oder auch an den Reaktorunfall in Tschernobyl. Aber dann gibt es auch eine Sache, die hier schon im Rhein Main Gebiet vor vielen Jahren passiert ist: Im Hotel fand ein Handel mit Uran statt, danach war das Zimmer verstrahlt und es musste dekontaminiert werden. Deutschland ist ein Drehkreuz und so was kann dann schon mal vorkommen.“

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