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July 17, 2008

Japan erwartet Neubau- und Modernisierungswelle im Hotelsektor

Quelle: bfai, 17. Juli 2008 – Von Jürgen Maurer

Präsenz ausländischer Investoren nimmt zu / Tourismusgeschäft wächst stark

Ausländische Hotelketten bringen neue Dynamik in den japanischen Beherbergungsmarkt. Mit reinen Luxusherbergen haben sich Gruppen, wie InterContinental, Hilton und Konsorten, einen kaum besetzten Nischenmarkt erobert. Spätestens mit dem Aufkauf von ANA-Hotels und der Ankündigung weiterer Investitionen in Japans Hotelbereich sehen die japanischen Hotelgruppen ernsthafte Konkurrenz erwachsen. Sie reagieren mit Modernisierung und Neubau, was dem Hotelsektor in den nächsten Jahren neue Dynamik geben wird.

In Japans Hotelmarkt gewinnen ausländische Betreiber immer mehr an Bedeutung. Zwischen 2000 und 2006 machten grenzüberschreitende Transaktionen, in denen ausländische Investoren sich in japanische Hotelketten einkauften, allein 20% der Zusammenschlüsse aus, so Zahlen der Thomson Financial. Beispielsweise verkaufte die Fluggesellschaft ANA eine Mehrheitsbeteiligung an ihren Hotels an die zusammen mit InterContinental Hotels Group (IHG) gegründete IHG ANA Hotels Group Japan.

Darüber hinaus haben verschiedene internationale Betreiber auch in den Neubau von Hotels investiert. Insbesondere der Bereich von Luxusherbergen wird von ihnen abgedeckt und dabei lag der Schwerpunkt auf Tokio, wo 2005 und 2007 jeweils zwei neue Luxushotels entstanden (Conrad, Mandarin Oriental, Ritz-Carlton und Peninsula). Aber auch an anderen Orten in Japan entstehen solche. Beispielsweise in Osaka (Ritz-Carlton), Fukuoka (Grand Hyatt) und Okinawa (InterContinental).

Auch in Hokkaido, wo mit Niseko ein neuer Skiresort immer mehr Ausländer anzieht, will beispielsweise West Paces Hotel Group eine neue Luxusherberge errichten. Baubeginn soll Anfang 2009 und Eröffnung Ende 2010 sein. Zwischen 20 Mrd. und 30 Mrd. Yen (rund 150 Mio. Euro; 1 Euro = 161,3 Yen im Jahresdurchschnitt 2007) an Kosten wird kalkuliert. In Niseko hat die Hilton-Gruppe Mitte 2008 ein Hotel, das sie von der japanischen Prince-Gruppe abgekauft hatte, nach umfangreicher Renovierung neu eröffnet.

Mit den bislang neun Häusern soll für Hilton nicht Schluss sein. Denn das US-amerikanische Unternehmen hat Anfang Juli Pläne verkündet, bis zum Jahr 2017 mindestens 50 weitere Hotels unter neun verschiedenen Markennamen zu etablieren. Dabei setzt Hilton auf die Strategie, Hotels in Geschäftskomplexen einzurichten sowie bestehende Hotels zu übernehmen. Ausländische Geschäftsleute und auch betuchtere Touristen sollen in deren Häusern übernachten.

Damit geht die Hilton-Gruppe zum Angriff auf die InterContinental-Gruppe über, die mit mittlerweile 42 Häusern die größte ausländische Hotelkette in Japan ist. Und sie tritt gleichzeitig auch stärker in Wettbewerb mit japanischen Unternehmen, wie den Prince Hotels, Hotel Okura, Hotel New Otani und anderen. Diese verspüren wachsenden Druck und setzen auf Modernisierung sowie auf Kooperation.

So haben Hotel Okura und Royal Hotel Mitte 2008 eine Geschäftsallianz vereinbart. Eine Reihe von Hotels ist bereits renoviert oder im Prozess der Renovierung, wie beispielsweise das Nikko Tokyo, das bis 2010 seine mehr als 400 Zimmer erneuert und dafür 1,4 Mrd. Yen investiert. Eines der Traditionshäuser, das Palace Hotel im Zentrum der Hauptstadt, wird sogar ganz abgerissen und soll 2011 in völlig neuem Gesicht (mit einem Hotel- und einem Büroturm) wieder eröffnen.

Für die verstärkten ausländischen Aktivitäten im Hotelsektor sind sowohl mehr Geschäftsleute als auch der Tourismus treibende Kräfte. Die gute konjunkturelle Entwicklung der letzten Jahre hat mehr ausländische Unternehmensvertreter nach Japan gebracht, die meist auf internationale Ketten vertrauen. Außerdem sind die Immobilienpreise auf ein attraktives Einstiegsniveau gesunken.

Für Touristen hat Japan an Attraktivität gewonnen. Im Jahr 2007 besuchten mehr als 8,3 Mio. Reisende Japan. Insbesondere die für Südkoreaner und Taiwaner eingeführte Visafreiheit hat den Tourismus deutlich belebt. Zudem kommen immer mehr Reisegruppen aus der VR China und bringen gute Geschäfte. Über die Hälfte der Touristen stattet Tokio einen Besuch ab, so Angaben der Japan National Tourist Organization. Die Regierung hat zum Ziel gesetzt, die Zahl der ausländischen Touristen bis 2010 auf 10 Mio. Reisende und bis 2020 auf 20 Mio. Reisende zu erhöhen.

Japan wird in den nächsten Jahren einen Bau- und Modernisierungsboom bei Hotels erleben. Allein für den Zeitraum zwischen 2008 und 2012 sind Pläne zur Errichtung von 204 neuen Hotels bekannt. Mit einem zeitlich nicht spezifizierten Horizont sind über 2012 hinaus weitere 111 solcher Übernachtungseinrichtungen angekündigt, so Zahlen des japanischen Fachblattes “Hoteres”.

Mittelfristig bis 2012 werden die meisten Neubauten mit 80 beziehungsweise 87 Einrichtungen in den Jahren 2008 und 2009 entstehen. Schwerpunkte sind dabei die Region Kyushu mit 35, Kinki mit 20, Kanto mit 18 und Tokio mit 15 Hotels. Insgesamt sollen zwischen 2008 und 2012 knapp 30.000 Zimmer neu entstehen, davon mehr als 9.700 im Jahr 2008 und circa 13.400 im Jahr 2009.

Nur wenige große Hotels werden neu gebaut, die meisten davon sicherlich in Tokio und in der Region Kinki. In der Region um Osaka und Kyoto sollen zum gegenwärtigen Bestand rund 4.700 Zimmer hinzukommen, in Tokio etwa 4.400 Zimmer und in Kyushu annähernd 4.500 Zimmer zusätzlich entstehen. Nach Größe sollen 43 Hotels von 200 bis zu 300 Räume, 85 Einrichtungen zwischen 101 und 200 Zimmer und etwa 40 Hotels eine Zimmerzahl darunter erhalten.

Eine Vielzahl der neuen Hotels wird in die Kategorie der einfachen Business- und Touristenherbergen fallen. Aber zumindest bei den internationalen Adressen und auch einigen der japanischen Modernisierungsprojekte wird auf höherwertige Ausstattung gesetzt. Daher bieten sich deutschen Anbietern von Innenausstattung, Tischkultur, Großkücheneinrichtung etc. in den nächsten Jahren Absatzchancen für ihre Produkte.

Abgesehen von den erwarteten Neubauten existierten in Japan nach letztverfügbaren Zahlen Ende 2006 insgesamt 9.165 Quartiere (von Luxus- bis zu einfachen Stadt- und Kapselhotels, aber ohne japanische Gästehäuser) und circa 721.100 Zimmer. Das waren 2.000 Hotels und 164.000 Zimmer mehr als 1996, so Zahlen des Ministry of Health, Labour and Welfare.

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