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June 22, 2012

Kino wird zum Geschmackserlebnis: UK-Pioniere untermalen Filme mit passenden Speisen

(London, 22. Juni 2012) Das Electric Cinema (http://www.electriccinema.co.uk) in London beglückt seine Besucher seit Mai zu ausgewählten Vorstellungen mit einem Snack-Paket, dessen nummerierte Mahlzeiten die Eindrücke in Schlüsselszenen verstärken sollen. Der korrekte Zeitpunkt für das Vertilgen der kleinen Happen wird mit großen Tafeln im Saal angezeigt, berichtet der “Guardian”. Bisher beschränkt sich das Angebot auf den Film “Pan’s Labyrinth”. Snacks wie Pinien-geräuchertes Popcorn, das die Aufnahmen der spanischen Landschaft komplettieren soll, kommen aber so gut an, dass die Betreiber bereits über die Ausweitung des Konzepts nachdenken.

Kino-Snack: schnödes Popcorn war gestern (Foto: Karramba Production/fotolia.com)

Kino-Snack: schnödes Popcorn war gestern (Foto: Karramba Production/fotolia.com)

Besucher anlocken
“Solche Trends gibt es immer wieder. Das Geruchskino der 1970er-Jahre oder das Schütteln der Zuseher bei Actionfilmen zum Beispiel. Das ist für kurze Zeit anregend, erschöpft sich aber recht schnell. Auch die 3D-Technik hat nicht zu künstlerischen Neuerungen geführt und verliert deshalb ihren Reiz”, sagt Judith Wieser-Huber, künstlerische Leiterin von Kino unter Sternen gegenüber der Nachrichtenagentur Pressetext. Außerdem beeinflusse das Essen während der Vorführung den Filmgenuss. “Die Idee ist zwar lustig, aber ich bin da eher puritanisch. Mich stört teilweise schon das Essen und Gerede im normalen Kino.”

Auch in England gehen die Meinungen zum “Edible Cinema” auseinander. Einige fühlen sich durch das Essen vom Film abgelenkt, andere sehen es als Erweiterung der Kino-Erfahrung. Die Betreiber hoffen, dass durch das erweiterte Angebot mehr Menschen ins Kino strömen, da diese neue Erfahrung zuhause nicht ohne weiteres reproduziert werden kann.

“Publikumswirksame Wege, Menschen ins Kino zu locken, sind grundsätzlich zu begrüßen. Ablenkung vom Film ist nicht zu befürchten, die Zuschauer sind – vor allem durch die Multiplexe – daran gewöhnt, im Kinosaal zu essen. Je nach Inhalt des Films kann das aber sicher grauslig werden”, sagt Wieser-Huber.

Gratis statt Essen
Die Kosten für das essbare Kino belaufen sich auf 35 Dollar pro Person und Film. Dafür bekommt das Publikum ungewöhnliche Leckerbissen wie kohlensäurehaltige Trauben – zur Untermalung des Auftrittes einer seltsamen Kreatur – oder einen speziellen Gin-Cocktail, der die aseptische Atmosphäre eines Krankenhauses verstärken soll. “Das Wichtigste ist, den Film interessant zu gestalten. Es ist sowieso unmöglich, es allen recht zu machen. Für die nächsten Filme wollen wir das Essen noch besser in die Handlung einbetten, mit mehr Aromen und einigen neuen Tricks”, sagt Organisatorin Polly Betton.

“Eine wirklich lustige Idee. Für uns kommt das aber nicht in Frage. Wir haben mit dem kostenlosen Kino unter Sternen schon einen Weg gefunden, Menschen vor die Leinwand zu locken. Sogar unkonventionelle Filme kommen dort gut an und das Publikum ist sehr konzentriert”, erklärt Wieser-Huber.

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