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March 3, 2015

Wie Tourismusbetriebe mit Employer Branding als Arbeitgeber überzeugen – Arbeiten, wo andere Urlaub machen? Lieber nicht!

Andrea Starzer

(Wien, 03. März 2015) Ob es nun an den Arbeitsbedingungen liegt oder an der steigenden Bettenzahl: Dem Tourismus fehlt es an (qualifizierten) Mitarbeitern. Das ist umso dramatischer, als das Personal eine tragende Rolle für den Erfolg eines Hotels oder Tourismusbetriebs spielt – kein Betrieb kann dauerhaft mit unqualifizierten Aushilfskräften seine Qualität halten. Auch wenn es um den Nachwuchs geht, zeichnen sich Probleme ab: Eine Lehre in der Hotellerie schreckt viele Jugendliche ab, viele wechseln auch direkt nach dem Abschluss der Ausbildung die Branche. Angesichts der sinkenden Geburtenraten lohnt es sich deshalb, sich schon heute als attraktiver Ausbildungsbetrieb und Arbeitgeber zu positionieren, so Andrea Starzer von Jobshui.

Andrea Starzer

Andrea Starzer

Sind die unfreundlichen Arbeitszeiten und die schlechte Bezahlung schuld?
Die Entlohnung in der Tourismusbranche ist für viele Gastronomie- und Tourismusmitarbeiter Grund zur Klage, ebenso die Arbeitszeiten (Schichtdienst, Teildienst, Wochenendarbeit). Bei der Lektüre von Arbeitgeberbewertungen fragt man sich mitunter, warum überhaupt noch Menschen in Gastronomie und Tourismus arbeiten: die Erfahrungsbericht vieler Mitarbeiter in Tourismus und Gastronomie sprechen hier eine recht deutliche Sprache. Dabei sind Gehalt und Arbeitszeiten längst nicht mehr die einzigen Faktoren, die bei der Stellensuche eine Rolle spielen. Angestellte beschweren sich jedoch nicht nur über die konkreten Arbeitsbedingungen, sondern auch über die sogenannten “weichen Faktoren”. Besonders oft wird fehlende Wertschätzung der Mitarbeiter oder mangelnder Zusammenhalt unter den Kollegen bemängelt. Dass derartige Beschreibungen der alltäglichen Arbeit in einem bestimmten Betrieb niemanden zu einer Bewerbung motivieren, dürfte klar sein.

Mitarbeiterbedürfnisse kennen und ernst nehmen
Bei der großen Konkurrenz um qualifizierte Arbeitskräfte ist es jetzt umso nötiger, sich positiv von anderen Unternehmen abzuheben. Dafür muss man wissen, was Arbeitnehmer sich von ihrem Arbeitgeber wünschen (oder gegebenenfalls einfach nachfragen). Neben Arbeitsatmosphäre, Vorgesetztenverhalten und Work-Life-Balance sind, vor allem für Jüngere, auch die Karriereaussichten und Aufstiegsmöglichkeiten im Betrieb interessant. Zusätzliche Benefits, die oft nicht einmal besonders kostenintensiv sind, stärken die Arbeitgebermarke. Denkbar sind beispielsweise:
– Flexible Arbeitszeiten
– Verpflegung
– Kinderbetreuung
– Betriebliche Altersvorsorge
– Gesundheitsmaßnahmen
– Weiterbildungsmöglichkeiten
– Veranstaltungen für Mitarbeiter

Arbeitgebermarke kommunizieren – Employer Branding im Internet
Wer sich um die Pflege seiner Arbeitgebermarke kümmert, hat mehrere Vorteile: zum einen erleichtert ein guter Ruf als Arbeitgeber das Recruiting erheblich, zum anderen lässt sich auch die – im Tourismus oft enorme – Mitarbeiterfluktuation vermindern. Damit das Engagement für die Mitarbeiter sichtbar wird, darf ein wenig Eigenlob im Internet ruhig sein. Denkbar ist beispielsweise, eigene Mitarbeiter zu Arbeitgeberbewertungen zu animieren (natürlich nur, wenn man von einer hohen Mitarbeiterzufriedenheit ausgehen kann) oder den Unternehmensauftritt in Social Media nicht nur für Informationen zum eigenen Anbot, sondern auch für Berichte über Mitarbeiter, Firmenevents oder Weiterbildungen zu nutzen.

Umso mehr verwundert, dass einige Betriebe nur in Pauschalen, Zimmer, Wellness Facilities kommunizieren und sich die Unterseite TEAM auf ein Gruppenbild beschränkt, so Starzer. Wer seine Mitarbeiter auch öffentlich wertschätzt und lobt, erhöht nicht nur die Arbeitszufriedenheit, sondern zeigt außerdem potentiellen Bewerbern, dass das Unternehmen “a Good Place to Work” ist.

Authentisch, ehrlich und transparent
Im Employer Branding geht es nicht (nur) darum, ein Unternehmen bestmöglich nach außen darzustellen. Wie bei allen Marken ist auch die Arbeitgebermarke eine Kombination aus Eigendarstellung, Erfahrungen mit dem “Produkt” und konstanter Qualität. Für Unternehmen bedeutet das beispielsweise, sich in sozialen Netzwerken als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren, gute Bewertungen auf Arbeitgeberbewertungsplattform zu erzielen und dem guten Ruf als Arbeitgeber täglich gerecht zu werden.

Doch wenn das Arbeitsklima einfach nicht stimmt, kann natürlich auch das engagierteste Employer Branding nicht viel ausrichten – wer aber signalisiert, dass er offen für Kritik und Verbesserungsvorschläge seitens seiner Mitarbeiter ist, erkennt Probleme schneller und kann sie beheben.

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